Bericht über die Sommerhundekjørerskolen (Sommerschlittenhundeschule) 2016 in Norwegen von Judith Lübeß

Unser Verbandsmitglied Judith Lübeß besuchte in diesem Sommer zusammen mit ihrem Bruder Tobias in Norwegen das Sommertrainingscamp für Jugendliche unter der Leitung von Lena Boysen Hillestad.

Vielen Dank für deinen wunderbaren Bericht, Judith.

Heute möchten wir euch etwas aus dem Sommerhundekjørerskolen (Sommerschlittenhundeschule) 2016 berichten.

Tobias und ich sind zuvor noch nie in Norwegen gewesen und waren sehr gespannt, was uns dort wohl erwartet.
Die Leader / Ansprechpartner des Camps waren Lena Boysen Hillestad, Kristoffer G. Olsen, Ane M. Skjønsberg, Mikal Lillestu, Sigve W. Evensen, Kristoffer Halvorsen, Eira Aaseby, Oda Foss Almqvist, Adrian Meissner und Simon Cipro.
Am Sonntag den 26.07 trafen wir dann nach zwei Stunden Flug und 2 ½ Stunden Fahrt nach Skeikampen im Camp an.
An diesem Abend spielten wir verschiedene Spiele um die Atmosphäre etwas zu lockern.
Ich war schon etwas überrascht, wie viele Jugendliche wir doch sind… ich muss nämlich gestehen, dass ich eigentlich mit höchstens der Hälfte gerechnet hatte. Nun stand ich da, umgeben von knapp 60 weiteren Jugendlichen, mit den gleichen Interessen. Es war spannend zu hören, für welche Kategorien sie sich entschieden hatten. Die meisten waren im Canicross, Bike oder Scooter und auch im Schnee mit Skiern oder Pulka unterwegs. Aber auch eine Longdistance Fahrerin ist unter ihnen gewesen.

Der erste Abend verging sehr schnell. Nachdem wir alle genüsslich unser Abendbrot aufgegessen hatten, ging es noch zu einem kleinen Treffen und danach hieß es auch schon ab in die Zimmer. Ich kam mit Lucy aus England in ein Zimmer. Sie war fast genauso alt wie ich und so kamen wir auch schnell sehr gut miteinander zurecht.
In den nächsten Tagen wurden wir dann in Teams eingeteilt und mussten bei verschiedenen Spielen versuchen am meisten Punkte bis zum Ende des Camps zu sammeln.
Unsere eigenen Hunde haben wir natürlich nicht mitgenommen. Diesen Stress wollte ich ihnen ersparen. Und so bekam ich einen Leihhund. Er hörte auf den Namen „Labben“. Da ich nie gefragt habe, wie er wirklich geschrieben wird, schreibe ich ihn jetzt einfach so. Labben war… sagen wir… er hatte ein ganz großes Herz. Aber furchtbar viel Energie in den Beinen. Stillhalten war nicht so ganz seine Stärke.
So kam es, dass ich am ersten Trainingstag gleich dreimal den Hund wieder einfangen durfte, weil ihm das Warten mit den anderen aufgeregten Hunden nicht so ganz ruhig gelassen hat. Aber am Ende des Camps waren wir ein wirklich tolles Team und ich habe dieses Kerlchen unheimlich gern gehabt. Ich hätte ihn am liebsten mit nach Hause genommen.

wieseRechts: Labben und ich beim 6-Stunden-Wandern. (Die einzigen 10 Minuten wo er mal nicht zappelte)

Die Tagespläne waren sehr gut gestaltet. Es stand eigentlich immer etwas auf dem Programm, aber ich hatte nie das Gefühl vom Programm überfordert worden zu sein. Unsere drei Mahlzeiten nahmen wir im Restaurant etwas abseits von unseren Hütten entfernt ein. Das Essen war immer lecker und ganz besonders den leckeren Schokoladennachtisch erwähne ich jetzt mal lieber nicht, sonst bekomme ich noch Fernweh und einen großen Hunger!

Am ersten Tag gab es gleich die Aufgabe den großen Berg hinauf zu laufen. Es war wirklich viel anstrengender als gedacht, die ganze Zeit nur diese Steigung zu laufen, die man normalerweise zum Wandern auf Berge nutzen würde. Als ich oben ankam brannten mir nicht nur die Beine, sondern auch die Arme und der gesamte restliche Körper. Aber die Aussicht, die wir dann zu Gesicht bekamen, war atemberaubend schön!
Die nächsten Tage gab es auch einige Theoriestunden.
Dabei gab es immer mal andere Themen wie: Erste Hilfe beim Hund, Longdistance, Hunde richtig booten, Hunde richtig wässern, Hunde richtig füttern… sogar eine Fragerunde gab es, in der wir allen Leadern Fragen über ihre Hunde, ihr Training oder sonstiges fragen konnten.
Neben den Theoriestunden und den Teamspielen gab es natürlich auch das morgendliche Hundetraining. Die Berge waren wirklich super dafür geeignet und für mich ist das noch immer nicht in Worte zu fassen… wie ich auf dem Scooter stand und einfach in die Weiten schaute…..
Ich konnte mir leider nicht so gut das norwegische Links und Rechts merken… aber Labben nahm eigentlich von sich aus schon immer den richtig Weg. Was für ein feines Kerlchen!
Nach dem Training gab es auch einige Tage die Hundeschule. Dort führten wir mit dem Hund Übungen wie Sitz, Platz, Bleib usw. aus.
Am Nachmittag gab es dann immer verschiedene Angebote wie Laufen, Scooter, Bike usw. ohne Hund. Jeden Tag konnten wir uns neu entscheiden für welche Sparte wir uns am meisten interessieren und wo wir noch mehr lernen wollten. Ich entschied mich meistens für Scooter, da ich mehr über die Technik lernen wollte. Das Training war wirklich nicht einfach. Zuerst machten wir ein Scooter-Intervalltraining… bergauf! Eine Minute hochfahren, eine halbe Minute wieder runter. Nachdem wir endlich erschöpft oben ankamen, beschloss unser Leader, dass wir das noch schneller könnten….
Also wieder den Berg hinunter und wieder Intervalltraining nach oben!
Nach 3 Stunden fing es an zu regnen und wir beschlossen, uns langsam auf den Heimweg zu machen.

tobiasLinks: Tobias beim Scootertraining

Den nächsten Tag ging es dann auf eine Downhillstrecke. Ja, mit dem Scooter! 😉
Ich scheiterte die erste Runde leider kläglich. Über die Hügel kam ich einfach nicht rüber. Die nächsten Runden klappten besser. Ich fing langsam an mich mit dem Springen anzufreunden. Nachdem mir dann aber Tobias mit einer ordentlichen Schotterflechte im Gesicht entgegen kam, beschloss ich vielleicht doch nicht zu übermütig zu sein… er war nämlich nicht der Erste!

Am Tag darauf gelang es mir dann den kompletten Parcours mit Springen zu fahren! Ich schliff auf keinem einzigen Hügel mehr und lernte das kontrollierte Springen und Landen. Zudem lernten wir unglaublich viel aus Finnland, da eine Jugendliche jeden Einzelnen anschaute und uns zeigte, was wir falsch machten. Wir gingen ins Gelände und lernten den Scooter richtig zu fahren.
Neben dem Training, dem Wettkampf der Teams und der Theorie stand natürlich auch Spaß auf der Tagesordnung. Den einen Tag spielten wir Schlammfußball und kamen alle als schaurige Matschmonster wieder zurück ins Camp. Einen anderen Tag bauten uns die Leader ein Geisterhaus auf. Nur mit einem Feuerzeug  als Lichtquelle bewaffnet liefen wir durch die schaurigen Gänge des Kellers. Und an jeder Ecke wartete jemand, der uns verfolgte und erschreckte. Es war wirklich schaurig schön.

judithtobias_2Jedoch gab es auch Programmpunkte, die nicht aufgelistet wurden. Eines Nachts wurden wir um 2 Uhr aus dem Bett geschmissen und sollten in 15 Minuten fertig sein. Mit einer Flagge bewaffnet wurde mein Team in den Transporter gestopft und hinaus ins Weite gefahren. Ich weiß leider nicht genau, wie viele Kilometer wir vom Camp weg gewesen sind, aber es war weit genug…Das Spiel ging wie folgt: Wir durften nicht von den Leadern im Transporter gesichtet oder von dem Leader, der uns verfolgte, gefangen werden. Nachdem wir einmal scheiterten, wurden wir sofort wieder zurückgefahren. Irgendwann um kurz vor 4 schafften wir es dann auch mal nach Hause. Kaum eingeschlafen klingelte uns um 7 auch schon der Wecker wieder aus dem Bett.
Einen Tag später fand auch ein Canicrossrennen im dichten Nebel den Berg hinauf statt.

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass ich super viel in diesem Camp gelernt habe. Ich habe unglaublich viele Tipps und Anregungen mit nach Hause gebracht. Im Training habe ich viel gelernt und wundervolle Menschen kennengelernt.
Der Abschied ist mir unheimlich schwergefallen und wir vergossen am 03.07. auch einige Tränen auf norwegischem Boden.
Ich kann wirklich jedem, der Interesse an diesem Sport hat, dieses Camp ans Herz legen! Es war eine unglaubliche Zeit und ich bin so unglaublich dankbar dieses Camp besucht zu haben.
Auch ein großes Lob an die geduldigen und lustigen Leader! Danke an alle für alles!

Bericht: Judith Lübeß
Bilder © Lena Boysen Hillestad und Co
By | 2016-08-22T12:56:21+00:00 August 22nd, 2016|Allgemein, VDSV News|0 Comments