Wenn die Platzierung egal wird……ECF EM 2016 Ein Bericht von Dirk Lehner

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Ein Jahr bereitet man sich vor, vergleicht Werte vom Vorjahr, baut diese aus und versucht immer stärker zu werden. Dann kommt der Tag an dem man beginnt seinen Hund zu trainieren. Es läuft alles bis zu diesem Augenblick wo dein Teampartner neben dir am Bike steht, er seinen Hinterlauf hoch hebt aus dem etwas Rotes rausläuft. Mist was ist das, Bike abgelegt und sofort nachgeschaut, Kralle weg, Ballen aufgerissen und das beim Freebiken. Sofort die Pfote verbunden Boothie drum und erst mal kurz nach hinten den Waldweg zurück geschaut, nix zu sehen wo ist das passiert, warum, keine Ahnung ?
In vier Wochen ist EM und das OMD, was machen, absagen? Mal schauen wie das verheilt! Heinrich Stahl angerufen der mir wie immer sofort mit guten Ratschlägen zur Seite stand. Es ist viel wert so einen erfahrenen Mann hinter sich zu haben! Nach ein paar Tagen Pause und einer zum Glück tollen Wundheilung wird Tork gebootet und leicht bewegt, leicht geht natürlich nicht, Tork geht ab wie die Wuzz auf dem Kunstrasenplatz. Den musst du bremsen sonst wird das nix mit Heilung denke ich mir noch. Nach zwei Wochen ist dann doch alles soweit verheilt das man an Zugtraining denken kann. Die Pfote hält aber die Ergebnisse lassen natürlich zu wünschen übrig, fehlendes Training kann man nicht erzwingen bei einem Tier zweimal nicht. Muss ich halt mehr reintreten, habe ja gut trainiert!
Ein Tag vor der Abfahrt nach Nove Mesto bekomme ich ein leichte Erkältung nix schlimmes aber irgendwie fühlt sich das nicht gut an. Am Mittwochabend geht’s los, mein Frau muss unser Gespann fahren, ich sitze nebendran, mir geht es beschissen! Kann doch alles nicht wahr sein, was läuft hier falsch?
Ok fast drei Tage noch zum gesund werden. Am Donnerstag erst mal ganz langsam die EM Strecke ablaufen. Die Anstiege sind steil und steinig, nicht optimal für Tork´s Pfote. Ansonsten ein toller Trail, die schnellen Abfahrten auf Rasen sind aber mit Vorsicht zu genießen. Zwei mal wird man in eine Kompression gedrückt werden, nicht einfach wenn es dann mit einem Bike und einem schnellen Hund dort hinein gerät. Die Anstiege sind so steil das ich beim laufen mit der noch vorhandenen Erkältung in schwitzen komme.
Freitag Ruhetag, Erkältung wird spürbar besser, Hoffnung keimt auf! Dann die Eröffnungsfeier eigentlich toll aber wenn man krank ist nicht so zum genießen.
Samstag: Es geht los, warmfahren auf der rolle, der Pulsmesser zeigt zu hohe Werte, viel zu hohe. Egal Tork wässern, alles vorbereiten und mit Britta und Tork zum Start laufen, tolle Atmosphäre im Stadion, es wird aus zwei Blocks im 30sec Takt gestartet , wir stehen recht, Puls über 140, ich kann es nicht glauben das kann nicht gut gehen. Noch 15,10,5,1sec und los geht`s, Tork läuft gut an und am Ende der Startgeraden haben wir Topspeed, nach einem Kilometer haben wir den vor uns gestarteten eingeholt und überholt. Dann kommen die Anstiege, mein Puls erreicht ohne Probleme 100%, ich fange an zu denken: “Das gibt nix, noch nicht oben und schon Maximalpuls, egal ich halt trotzdem drauf, es sind ja nur fünf Kilometer“. Tork zieht was er kann, die fehlenden Trainingskilometer merkt man ihm an und meine Erkältung zeigt natürlich auch was sie so alles drauf hat. Wir fahren ohne einen sichtbaren Gegner das Race zu ende, Zeit, Platzierung keine Ahnung. Nach dem Zieleinlauf sofort Ausfahren und ab in den Wohnwagen, ausruhen. Jetzt wird’s es entschieden werden entweder morgen komplett am Ende oder die Erkältung ist besiegt. Britta kommt in den Wohnwagen mit Ergebnissen, 4 Platz aber mit einem riesen Rückstand zu Platz 3 und nur 2sec auf Platz5, Platz 6,7,8 auch nur sec hintendran. Ok morgen verteidigen und alles wird vielleicht doch noch gut.
Sonntag: Erkältung scheint sich geschlagen zu geben beim warmfahren bessere Pulswerte. Am Startblock, diesmal von links, hinter Marc Vanderen, ein erfahrener Canicrosser vielleicht kann ich ihn einholen wenn ich am Anfang drauf drücke. Es geht los, Tork wieder mit einem Wahnsinns Tempo in die erste Kurve, den ersten Anstieg hoch und doch schon Marc im Visier. Tork zieht an und fängt an Marc zu jagen am zweiten Anstieg noch 60m hinten dran, mein Puls 100%!Es geht schon wieder los, denke ich mir aber Tork ist das egal er will den Greyster vor ihm einholen. Dritter Anstieg, noch 20m. Am Vierten haben wir ihn, oben angekommen sind an Marc`s Hinterrad. Jetzt kommen ca.2km bergab, unsere Chance, Tork setzt an und zieht vorbei aber der Greyster gibt sich nicht geschlagen und setzt sofort nach. Beide Hunde jagen Kopf an Kopf mit weit über 30km/h den leicht abfallenden Trail entlang , geil sie verstehen sich keiner schnappt rüber oder sonst was, einfach nur Kampf um die Spitze. Ab jetzt geht alles ganz schnell!!! Es geht in eine Rechtkurve, Marc hat vom Weg innen einen Vorteil, er liegt leicht vorne, ein paar Meter weiter eine Linkskurve, gut für mich, denkste, Marc`s Greyster macht die Tür zu und ich muss kurz voll bremsen, Marc entschuldigt sich und ich rufe: „No Problem thats Race“! Wieder an Marc`s Hinterrad gibt Tork nochmal alles und zieht wieder an ihm vorbei, jetzt gibt der Greyster endlich nach, leicht abschüssig kann er den Topspeed von meinem GTH nicht halten, ich schaue auf den Tacho, verschwommen sehe ich 44km/h und er zieht immer noch aus. Die letzte gefährliche Kurve Schotter-Asphalt-Schotter, Tempo rausnehmen und unten auf der Wiese zum Zieleinlauf alles geben, nicht zurück schauen nur Kopf runter, reintreten und Tork unterstützen, der Tacho geht wieder Richtung 40km/h, das kann der Marc nicht halten denke ich mir und trete einfach weiter bis ins Ziel. Im Ziel kommt Marc kurz hinter mir ins Ziel und umarmt mich, „What a Race“ sagt er total fertig. Es war wirklich ein klasse Race, wir haben uns über drei Kilometer sportlich fair bekämpft, das ist großer Hunde-Sport gewesen. Wir haben es geschafft, den 4ten Platz gehalten und sogar gefestigt. Am Ende nur 8sec hinter dem Vorjahres Europameister Gunter Preveneurs ins Ziel gekommen.
Ok es war diesmal nicht das Treppchen, ihr könnt es mir aber glauben oder nicht mir war es so egal, nach dieser Vorbereitung dort vorne zu stehen ist für mich fast noch mehr wert. Manchmal läuft es eben anders als man denkt. Tork und ich gaben alles und hatten einen tollen zweiten Tag und eine tolle EM nur dies zählt.
Hoffen wir das es in England mit der Vorbereitung besser läuft!!

Dirk Lehner

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By | 2016-10-27T09:07:58+00:00 Oktober 27th, 2016|Allgemein, ECF-EM 2017, Rennberichte|0 Comments