Tierschutz konkret – Krallenpflege

„Zu lange Krallen – ein häufig unterschätzes Problem“
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Krallen kürzen – so geht’s auch bei zu lang gewachsenen Krallen
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Auf vielfachen Wunsch nochmal in etwas abgewandelter Form die Anleitung zum Krallen schneiden. Zu lange Krallen sind Ursache für viele Probleme – drückt bei jedem Schritt die Kralle ins Krallenbett, so ist das für den Hund schmerzhaft und er wird das Gewicht zurück verlagern, um den Schmerz zu vermeiden. Mit weiteren Folgen wie Verspannungen, Überbelastungen bis hin zu Arthrosen, manche Hunde verweigern plötzlich sogar bis dahin problemlose Bewegungen wie das Treppenlaufen oder Sprünge zB ins Auto. Bei Sporthunden ist es umso wichtiger, die Krallenlänge regelmäßig zu kontrollieren, denn die Belastungen zB beim Agility sind noch höher als im Alltag. Bei jedem Hund sollte die Länge beobachtet werden – wenn ein deutliches Klack-Klack-Klack zu hören ist schon beim Aufsetzen der Pfote und man hört wie die Krallen seitlich wegrutschen beim Abrollen, dann ist das meist ein untrügliches Zeichen für zu lange Krallen. Ich kontrolliere meine Hunde einmal im Monat mindestens – die jüngere hat schneller wachsende Krallen, die häufiger gekürzt werden müssen, die ältere Hündin ist nur ca alle 3 Monate fällig.

Hat jeder Hund ein Problem mit zu lang wachsenden Krallen?
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Die „ideale“ Kralle ist annähernd dreieckig, ohne schmale Verlängerung an der Spitze und ohne ausgeprägten Haken am Ende. Durch verschiedene Faktoren können Krallen bei völliger Vernachlässigung sogar im Kreis wachsen, aber auch lang nach vorn, was in beiden Fällen vor allem das Abrollen behindert. Nicht bei allen Hunden wachsen die Krallen bis zu einer problematischen Länge, teils durch natürliche Abnutzung, teils weil sich die Hunde die Krallen selbst abknabbern. Auch Veranlagung, Rasse, Fütterungsgewohnheiten, Bewegungsintensität sowie Boden, auf dem der Hund läuft, spielen dabei eine große Rolle. Vorderpfoten sind häufiger betroffen als HinterpfotenKleine Hunde und Senioren sind öfter davon betroffen und sollten regelmäßig kontrolliert werden – gerade im Alter ist es wichtig, dass der Hund gerade stehen kann.

Was ist die ideale Länge?
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Die Krallen sollten im Ruhezustand (Hund steht gerade, Vorderbeine unter den Schultern) den Boden nicht berühren, man sollte noch ein Blatt Papier darunter hindurch ziehen können. Wenn am Ende ein deutlicher Haken zu spüren ist, dann sollte dieser soweit gekürzt werden, dass der Hund damit nirgendwo hängenbleiben und sich die Kralle rausreissen kann. Manche Krallen wachsen aber auch ziemlich gerade, so daß auch bei zu langen Krallen noch ein Blatt darunter passt – das hört man aber beim Abrollen und sieht man auch, dass sich die Zehen zur Seite biegen.

Welches Werkzeug ist empfehlenswert?
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Das richtet sich nach der persönlichen Vorliebe und natürlich auch nach dem, womit der Hund am besten klar kommt. Es gibt Guillotinenscheren (geschlossener Metallring, durch den die Kralle geschoben und dann gekürzt wird), klassische Krallenscheren meist mit integriertem Abstandhalter, die von oben und unten schneiden, aber auch normale Nagelclipser können verwendet werden. Welches davon man präferiert, spielt für das Ergebnis keine Rolle, ABER scharf muss es sein! Manche Leute feilen lieber manuell, das dauert etwas länger, aber man kann zwischendrin immer wieder kontrollieren, andere verwenden einen Schleifer mit Sandpapieraufsatz wie zB einen Dremel. Vorsicht bei Langhaarhunden: Das Fell kann sich in der schnell drehenden Spitze verfangen und ausgerissen werden!

Wie erkenne ich wo das Leben beginnt?
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Bei durchsichtigen Krallen ist es zugegeben einfacherer, die rosafarbene Mitte durchschimmern zu sehen, aber auch bei schwarzen Krallen kann man mit ein wenig Übung problemlos selber kürzen. Die Spitze der Kralle besteht nur aus Krallenhorn. Nähert man sich dem Leben, dann sieht man in der Mitte zunächst einen helleren Punkt, der sich dann vergrößert. Ab dem Punkt sollte man nur noch aussenrum kürzen, also die Seiten schwächen, so daß die Kralle insgesamt schmaler wird – so wird die natürliche Abnutzung wieder gefördert und das Leben kann sich zurückziehen. Das Leben braucht etwa 14 Tage wenn die Kralle rundherum gut beschnitten ist, um sich bei einer durchschnittlichen Abnutzung ein Stückchen zurückzuziehen, so dass man erneut schneiden kann.

Selber machen oder beim Tierarzt machen lassen?
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Da die Situation zuhause immer so gewählt werden kann, dass der Hund gerade ruhig und entspannt ist, rate ich dazu das Ganze zuhause zu machen. Viele Hunde gruseln sich vor dem Krallen schneiden, schlechte Erfahrungen kommen häufig durch stumpfe Werkzeuge, wenn die Kralle mehr gequetscht als geschnitten wird.

Wie gewöhne ich meinen Hund daran?
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Trainiert mit Eurem Hund so früh wie möglich, dass ihr die Pfoten festhaltet, mal mit dem eigenen Nagel an den Krallen entlang fahrt, als ob ihr mit Daumen und Zeigefinger knipsen wolltet (Geräusch!). Verknüpft das Krallenschneiden positiv, bei einem ängstlichen Hund reicht es völlig, erstmal eine Kralle anzugehen, großzügig zu belohnen und dann eine Pause einzulegen, damit der Stress nicht zu groß wird. Feilen kann bei ängstlichen Hunden ein guter Einstieg sein, weil man von aussen beginnt, wo definitiv nur (totes) Krallenhorn ist.

Was tun, wenn es trotz aller Vorsicht ein wenig blutet?
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Kein Grund zur Sorge. Ich lege mir immer ein Zewa bereit, falls es doch einmal bis ins Leben geht, zB weil der Hund genau beim Schneiden eine ungünstige Bewegung gemacht hat. Im Normalfall ist das eine stecknadelgroße Wunde, aus der nur ein Pünktchen Blut kommt und sie ist auch nicht besonders schmerzhaft. Zewa drum und Hund streicheln, bis es aufgehört hat, nach einer Minute ist es meist vorbei. Es gibt auch Pulver wie den Clip Stop, der Blutungen stillt, aber in den 20 Jahren, die ich nun Hunde habe und eigenen und fremden Hunden die Krallen schneide, hat sich noch nie etwas entzündet oder der Hund irgendwelche Probleme gehabt, wenn es mal ein Stückchen ins Leben ging.

FAZIT:
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Auch bei dramatischen Fällen kann man in 3-4 Sitzungen wieder eine normale Länge erreichen, am besten sollte man es aber gar nicht erst so weit kommen lassen und das Krallen schneiden zu einer normalen Routine werden lassen. Je seltener, desto aufregender ist es für manche Hunde.
Mit freundlicher Genehmigung: Hundeakademie Düsseldorf, Verena Priller
Oktober 2015

By |2015-10-28T19:46:34+00:00Oktober 28th, 2015|Allgemein|0 Comments